Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps Universität Marburg
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Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe Allgemeine Gynäkologie

In der Gynäkologie stehen alle modernen diagnostischen Verfahren zur Verfügung. Hierzu gehören abdominale und vaginale Ultraschalldiagnostik, einschließlich der farbigen Darstellung von Blutgefäßen (Farbdoppler) sowie der Mammografie. Wir sind Kooperationspartner im zertifizierten Brustzentrum Regio der Universität Marburg.

Im Bereich der Brustdiagnostik stehen uns außerdem die Mammografie und die Hochgeschwindigkeitsstanze unter Ultraschallkontrolle zur Verfügung, zudem alle diagnostischen Endoskopieverfahren, wie die Bauchspiegelung, die Spiegelung der Gebärmutter, der Harnblase und des Enddarms.

Im operativen gynäkologischen Bereich führen wir sämtliche abdominalen und vaginalen Standardoperationen durch.

MIC-Chirurgie

Als ein Schwerpunkt unserer Abteilung findet die MIC (minimal-invasive Chirurgie) sehr breite Anwendung. Durch feinste Präzisionsinstrumente können ohne großen Bauchschnitt mit Hilfe der „Schlüssellochchirurgie“ schonend und weniger belastend für die Patientin Operationen durchgeführt werden. (Eileiterschwangerschaft, Eierstockentfernung, Myomausschälung, teilweise oder komplette Gebärmutterentfernung)
Hysteroskopische Operationen (Spiegelung der Gebärmutter) mit ggf. Entfernung von Polyp, Myom, Septen, etc. sind jederzeit auch ambulant möglich.

Harninkontinenz

Harninkontinenz ist ein oft verschwiegenes Problem. Aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses des Bindegewebes, bei Senkung von Gebärmutter oder Scheide und nach schweren Geburten kommt es bei vielen Frauen zum unwillkürlichen Urinverlust. Häufig lässt sich diese unangenehme Situation durch eine Operation beheben oder zumindest deutlich bessern. Die Ursache der Harninkontinenz muss zuvor durch eine urodynamische Messung beim Urologen diagnostiziert werden. Durch Einführung neuer jetzt etablierter Methoden lässt sich mittlerweile eine sehr hohe Langzeitheilung erreichen.
Sämtliche moderne Verfahren der operativen Korrektur inklusive der TVT-Implantation stehen in unserer Abteilung zur Verfügung.
Im Rahmen der Senkungsoperationen (Descensus) werden auch modernste Operationen unter Verwendung von künstlichem Gewebe (Netz, Mash) durchgeführt. Bei speziellen Fragestellungen arbeiten wir hier in enger Kooperation mit der Abteilung für Allgemeinchirurgie/Proktologie unseres Hauses (Chefarzt Dr. Alfred Cassebaum).

Onkologie

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Abteilung ist die Onkologie (Behandlung von Krebserkrankungen). Dies ist ein Thema über das man nicht gerne spricht. Und doch erkranken im Laufe ihres Lebens etwa 10 Prozent der Frauen an Brustkrebs. Neben der Behandlung von Brustkrebs werden alle weiteren Krebserkrankungen der Gynäkologie (Gebärmutter, Eierstöcke, Vulva) in unserer Abteilung operativ behandelt.

Von der Diagnostik über die Operation bis hin zur eventuell notwendigen Chemotherapie können alle erforderlichen Schritte hier, nach entsprechenden aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen, durchgeführt werden. Dazu zählt auch die Mammographie, die Markierung eines nicht tastbaren Knotens in der Brust unter Ultraschall- oder Mammographiekontrolle. Die komplette Tumortherapie erfolgt in Kooperation mit dem Tumorzentrum der Universitätsfrauenklinik Marburg. Nach erforderlicher Entfernung der Brust bieten wir auch den kosmetischen Wiederaufbau an.

Im Rahmen des Mammographiescreenings ist unsere Abteilung als operativer Standort entsprechend der Leitlinien anerkannt.

Sofern nach der operativen Behandlung der Krebserkrankungen eine Chemotherapie erforderlich wird, führen wir diese in aller Regel ambulant durch. Dadurch wird eine wohnortnahe Behandlung auf höchsten Niveau möglich.

Der so wichtige soziale Kontakt und die Besuche von Angehörigen können aufrecht gehalten werden. Uns ist es ein besonderes Anliegen, Sie und Ihre Angehörigen in einer solchen Situation umfassend und ganzheitlich zu begleiten.

Laproskopische Gebärmutterentfernung

Laparoskopische suprazervikale Hysterektomie – Perspektive

Es gibt immer wieder klinische Situationen, in denen eine Gebärmutterentfernung empfohlen werden muss. Früher war die totale abdominale oder vaginale Hysterektomie die einzige Art der Hysterektomie, die Frauen angeboten wurde. Heute können jedoch dank der Entwicklung besserer Operationsinstrumente und innovativer Techniken weniger invasive Verfahren durchgeführt werden. Auch die Dauer des Krankenhausaufenthalts und der Genesungszeit hat sich verkürzt.

Die Wahl des Zugangsweges hängt von der Art der Erkrankung, von der Größe und Beweglichkeit der Gebärmutter, der Weite der Scheide, von eventuell bestehenden Begleiterkrankungen und dem Wunsch der Patientin ab.

Die subtotale oder teilweise Gebärmutterentfernungwurde früher grundsätzlich per Unterbauchschnitt ausgeführt. Der Gebärmutterhals wurde lediglich zur technischen Vereinfachung der Operation belassen. Nachdem jedoch Gebärmutterhalskrebs nach solchen Operationen nachgewiesen wurde, geriet die Methode in Verruf und wurde nahezu verlassen. Zum damaligen Zeitpunkt war jedoch eine umfassende Krebsfrüherkennungsuntersuchung (wie heute der Pap-Abstrich und ggf. eine Kolposkopie) nicht üblich, so dass davon auszugehen ist, dass bereits zum Zeitpunkt der Operation Veränderung des Gebärmutterhalses vorlagen, die präoperativ nicht erkannt wurden!

Seit Einführung endoskopischer Techniken hat heute die teilweise Gebärmutterentfernung erneut an Bedeutung und Berechtigung gewonnen, zumal sie für die Patientin eine sehr schonende Operation mit kurzen Klinikaufenthalt (2-4 Tage) bedeutet.

Hauptindikationen für eine laparoskopische suprazervikale Hysterektomie sind Gebärmuttermyome und eine Adenomyosis uteri interna (Endometriose im Myometrium) .

Manche Patientinnen versprechen sich vom Belassen des Gebärmutterhalses auch, dass es zu keiner Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens kommt und dass eine Beckenbodensenkung und spätere Harninkontinenz vermieden werden können, was aber weiterhin in der Diskussion ist.

Zur Zeit gibt es nur begrenzte Daten aus einigen wenigen Studien, die eine supracervicalen Gebärmutterentfernung mit einer kompletten Hysterektomie vergleichen. In der Mehrzahl dieser Studien konnten keine Unterschiede gefunden werden bezüglich der sexuellen Empfindungsfähigkeit, der Rate an Harninkontinenz oder der Rate an Senkungsbeschwerden nach kompletter oder teilweiser Gebärmutterentfernung.

Ein objektiver kurzfristiger Vorteil der laparokopischen Gebärmutterteilentfernung ist das geringere Ausmaß der lokalen sekundären Wundheilung. Die Wiederaufnahme sexueller Aktivität ist früher möglich und die Patientinnen fühlen sich in der Regel schneller wieder fit als nach einer kompletten Gebärmutterentfernung.

Die supracervicale Gebärmutterteilentfernung erweitert und bereichert das mögliche Spektrum der Behandlung gutartiger Gebärmutterveränderungen und hat daher heute durchaus ihre Berechtigung. Sie erscheint vielen Frauen vorteilhafter und attraktiver als eine komplette Gebärmutterentfernung, jedoch muss über weitere regelmäßige Krebsfrüherkennungsuntersuchungen als auch über möglicherweise weiterhin bestehende, leichte Regelblutungen aufgeklärt werden.

Voraussetzung für eine laparoskopische suprazervikale Hysterektomie

  • unauffälliger (Pap-)Abstrich des Gebärmutterhalses, d.h. fehlende prämaligne oder maligne Veränderungen der Zervix
  • Kein Hinweis für eine bösartige Erkrankung des Gebärmutterkörper
  • Kein Anhalt für Endometriose hinter dem Gebärmutterhals (retrozervikal)
  • Wunsch der Patientin zur Belassung des Gebärmutterhalses nach entsprechender Beratung
  • Bereitschaft der Patientin mögliche geringgradige postoperative Periodenblutungen akzeptieren zu können
  • Bereitschaft der Patientin, nach der Operation weiterhin regelmäßig die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen.

Vorteilhaft ist die Durchführung der sanften Gebärmutterentfernung insbesondere auch für Frauen, die keine Kinder (vaginal) entbunden haben und eine große Gebärmutter mit Myomen haben. Auch stellt sie eine interessante Alternative da, für Frauen, die Sorge haben, dass eine komplette Gebärmutterentfernung die körperliche Integrität beeinträchtigen könnte.