Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps Universität Marburg
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Sicherheit für Mutter und Kind - von der richtigen Atmung bis zur Periduralanästhesie

Geburtshilfe - das bedeutet Hilfe zu einer sicheren und guten Geburt. Ganz ohne Schmerzen ist die jedoch nicht möglich. Doch es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Schmerzen für die Gebärenden erträglicher zu gestalten. Im Interview skizzieren Dr. Volker Aßmann, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe, und Dr. Hannes Gabriel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie & Intensivmedizin, Methoden der modernen Geburtshilfe.

Mit mehr als 450 Geburten im Jahr mit steigender Tendenz betreibt das Kreiskrankenhaus in Frankenberg die größte geburtshilfliche Abteilung im Landkreis Waldeck-Frankenberg. 

Der Körper hilft sich selbst am besten, heißt es. Warum tun Wehen dann so weh?

Aßmann: Auf der einen Seite ist die Geburt eines Kindes das natürlichste Ereignis das es gibt, auf der anderen Seite ein ebenso extremes Erlebnis, bei dem Schmerzen und Glück sehr nah beieinander liegen. Die schmerzhaften Wehen signalisieren der Schwangeren den Beginn der Geburt, also ist der Schmerz sogar erforderlich. Und die Zunahme der Schmerzen zeigt meist den Fortschritt während der Geburt an. Die Wehenschmerzen werden sowohl durch die Anspannung der Gebärmuttermuskulatur als auch durch die Dehnung und Öffnung des Muttermundes hervorgerufen. Aber auch wenn die Geburt das Natürlichste und - zumindest in dem Moment, in dem das Kind geboren ist - der größte Glücksmoment ist, bleibt die letzte Frage, warum Geburten und Wehen schmerzhaft sind, unbeantwortet. Auch wenn wir inzwischen wissen, welche physikalischen oder biochemischen Vorgänge die Schmerzen auslösen. Und eine schmerzfreie Geburt gibt es nicht, mit Ausnahme des Kaiserschnitts, aber dann kommen die Schmerzen erst danach. Auch unter dem Gesichtspunkt der Schmerzen und der gesamten Risiken ist die normale (vaginale) Geburt aus meiner Sicht ganz sicher das Bessere.

Die körpereigenen Opioide gelten als das stärkste Schmerzmittel der Welt. Was kann die gebärende Frau tun, damit sie unter der Geburt möglichst hochdosiert freigesetzt werden?

Aßmann: Die schmerzhaften Wehen stellen natürlich für die Frauen unter der Geburt einen erheblichen Stressfaktor dar. Dadurch werden die Endorphine - körpereigene Schmerzmittel - freigesetzt. Wichtig dabei ist jedoch, dass im Kreissaal eine Atmosphäre herrscht, die es den werdenden Eltern leichter macht, zu entspannen und sich gut aufgehoben zu fühlen. Dabei ist das Licht und das gesamte Ambiente, die eigene Lieblingsmusik und natürlich die Anwesenheit eines vertrauten Menschen von großer Bedeutung. All das trägt dazu bei, dass die Gebärende unter der Geburt auch von den eigenen Schmerzmitteln - von den Endorphinen - profitiert. Umgekehrt wissen wir, dass Angst und Unsicherheit die Schmerzen eher verstärken.

Welche alternativen Methoden bieten Sie und die Hebammen den Frauen unter der Geburt an, um den Schmerz erträglicher zu machen?

Aßmann: Ein ganz wichtiger Faktor, damit die Wehenschmerzen erträglich bleiben, ist, dass die Frauen während der Geburt möglichst lange mobil bleiben und sich bewegen. Ebenso stellt ein warmes Entspannungsbad eine große Hilfe dar. Zusätzlich können homöopathische Mittel oder Akkupunktur helfen, die Schmerzen besser ertragen zu können. Außerdem gibt es entspannende Medikamente und auch klassische Schmerzmittel, die nicht zu einer Beeinträchtigung der Atmung des Babys nach der Geburt führen. Und natürlich ist die Entbindung im Wasser eine gute Chance zur Entspannung und zur Schmerzerleichterung. Ganz egal, in welcher Position, bei jeder Geburt hilft die richtige Atmung natürlich zu einem leichteren Ertragen der Schmerzen. Das kann in der Geburtsvorbereitung eingeübt werden und selbstverständlich leiten die Hebammen genau dazu während der Geburt an.

Stichwort PDA - welche Formen gibt es und wie wirkt die Periduralanästhesie?

Gabriel: Wenn die genannten Maßnahmen der Schmerzerleichterung nicht ausreichen und der Schmerz einfach stärker ist, oder die Geburt ins Stocken gerät, ist die Peridualanästhesie (PDA) - auch Epiduralanästhesie (EDA)  genannt - eine wirksame und relativ moderne Möglichkeit der Schmerzreduktion. Bei niedriger Dosierung können die Frauen trotz PDA noch mobil bleiben und herumgehen („Walking-PDA"). Muss höher dosiert werden, bedeutet die PDA allerdings auch, dass die Gebärende ab diesem Zeitpunkt liegt. Der Effekt ist eine deutliche Abschwächung der Wehenschmerzen. Die PDA hindert die Gebärende allerdings nicht an der aktiven Mitarbeit, insbesondere in der letzten Phase der Geburt. Sollte im Geburtsverlauf doch ein Kaiserschnitt erforderlich werden, kann dieser liegende Peridualkatheter durch die Gabe stärker wirkender Medikamente dazu verwendet werden, dass vom Nabel abwärts eine komplette Schmerzfreiheit erreicht wird. In diesem Fall kann die Operation bei vollem Bewusstsein, aber schmerzfrei, und in der Regel in Anwesenheit des Partners im OP-Saal durchgeführt werden. Eine Alternative zur PDA für die Kaiserschnitt-Operation ist die Spinalanästhesie, ein ähnliches Verfahren, aber mit schnellerem Wirkungseintritt für eine rasche Schmerzfreiheit unter Erhalt des vollen Bewusstseins.

Insgesamt steht in der heutigen Geburtshilfe die Sicherheit für Mutter und Kind und das Wohlbefinden der Gebärenden im Zentrum. Welche Methode zum Einsatz kommt, darüber beraten die Hebammen und Geburtshelfer/-innen zusammen mit den Entbindenden während der Geburt und versuchen, das Optimale in der jeweiligen Situation einzusetzen. Und das unabhängig von der Tages- oder Nachtzeit und unabhängig vom Wochentag.

 

Ihre Ansprechpartner

Dr. med. Volker Aßmann

Dr. med. Volker Aßmann Chefarzt Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe

Dr. Hannes Gabriel

Dr. med. Hannes Gabriel Chefarzt Klinik für Anästhesiologie & Intensivmedizin

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