Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps Universität Marburg

Klinik für Innere Medizin, Sektion Pneumologie Erkrankungen der Atemwege

Die Pneumologie oder Lungenheilkunde umfasst die Prophylaxe, Erkennung und Behandlung der Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mittelfells (Mediastinums) und des Brustfells (Pleura). Die häufigsten bei uns behandelten Krankheitsbilder sind:

Chronischer obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Lungenemphysem (Überblähte Lunge)

COPD (chronic obstructive pulmonary disease) oder Raucherlunge ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung der Lunge. Sie ist durch entzündete und dauerhaft verengte Atemwege gekennzeichnet. Das Lungenemphysem ist eine überblähte Lunge. Im Krankheitsverlauf der COPD kann die Wandstruktur der Lungenbläschen (Alveolarsepten) zerstört werden, was die Lufträume unwiderruflich erweitert. Die Lunge sieht dann nicht mehr aus wie eine Rebe mit Trauben (wie bei einem Gesunden), sondern wie ein großer Ballon.

Typische COPD-Symptome sind Husten mit Auswurf und Atemnot bei Belastung, später auch in Ruhe. Unser Lungenfunktionslabor ermöglicht Nachweis und Schweregradeinteilung obstruktiver Lungenerkrankungen, und ist damit auch Entscheidungsgrundlage für eine notwendige pharmakologische Behandlung.

Asthma bronchiale

Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung der Lungen.

Es gibt verschieden Formen: allergisches, nicht-allergisches und gemischtförmiges Asthma. In allen Fällen leiden die Betroffenen an anfallsartiger Atemnot und Husten.

Die Diagnose Asthma lässt sich durch unseren Lungenfunktionstest erhärten.Bei normaler Lungenfunktion können wir durch einen Provokationstest prüfen, ob eine so genannte bronchiale Hyperreagibilität (oder Übererregbarkeit der Atemwege) besteht. Danach kann der Arzt nach Krankheitsstadium eine Basistherapie (Langzeittherapie) und Anfallstherapie (Bedarfstherapie) beginnen.

Infektionskrankheiten der Lunge (Bronchitis, Tuberkulose, Lungenentzündung/Pneumonie)

Einige Lungenerkrankungen entstehen, weil krankmachende Keime wie Bakterien, Viren oder Pilze eindringen. Die Erreger rufen teils schwere Entzündungen hervor. Betroffene leiden dann unter Symptomen wie Husten mit Auswurf, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Häufige Infektionskrankheiten der Lunge sind zum Beispiel: Erkältung (Grippaler Infekt), Influenza, Akute Bronchitis, Lungenentzündung, Keuchhusten.

Durch unsere Röntgendiagnostik (inkl. CT- und ggf. MRT-Aufnahmen) und wenn nötig eine bronchoskopische Erregergewinnung können wir eine erreger-gerechte antimikrobielle Therapie anbieten.

Interstitielle Lungenerkrankungen (z.B. Fibrosen)

Lungenfibrose entsteht, wenn der Bindegewebsanteil in der Lunge krankhaft zunimmt. Die Lungenfibrose zählt zu einer großen Gruppe von Krankheiten, die unter dem Begriff der interstitiellen Lungenerkrankungen zusammengefasst werden.

Um die Diagnose einzugrenzen, folgen in der Regel bildgebende Untersuchungen, wie eine Computertomografie des Brustkorbs. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Lungenfibrose, erfolgt schließlich eine Spiegelung der Lunge (Bronchoskopie). Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt auch über eine Spülung der Bronchien (Bronchial-Lavage) Zellen gewinnen, beziehungsweise eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen. Komplexe Fälle werden in Zusammenarbeit mit dem Fibroseboard (Konferenz von Fachärzten) besprochen, um die optimale Behandlungsoption für jeden Einzelfall zu finden.

Autoimmunerkrankungen der Lunge

Autoimmunerkrankungen der Lunge entstechen, wenn sich das körpereigene Immunsystem gegen das Lungengewebe richtet, Dabei entstehen Entzündungen und die Lungenstruktur verändert sich krankhaft.

Zur Klärung der Verdachtsdiagnose werden zunächst Blutuntersuchungen angefertigt. Beim Befall von inneren Organen (wie Lunge, Nieren), können davon ebenfalls Gewebeproben entnommen. Finden sich entsprechende entzündliche Veränderungen in den Proben, sichert dies die Diagnose.

Sarkoidose

Sarkoidose (Morbus Boeck) ist eine entzündliche Erkrankung, die akut oder chronisch verlaufen kann. Typisches Merkmal sind knötchenförmige Gewebeveränderungen. Sie können sich überall im Körper bilden und die Funktion der betreffenden Organe stören. Die häufigste Krankheitsform ist die chronische Sarkoidose der Lunge: Die Patienten leiden unter chronischem Reizhusten und Atembeschwerden.

Durch Röntgendiagnostik, Lungenfuktionstest, Lungenspiegelung und Biopsien sichert der Arzt die Diagnose.

Bronchialkarzinome (Lungenkrebs)

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Der wichtigste Risikofaktor ist Rauchen. Auch Passivrauchen kann zu Lungenkrebs führen. Anhand einer Röntgendiagnostik des Brustkorbs kann der Arzt bereits bestimmte Veränderungen im Lungengewebe erkennen. Bestätigt sich der Verdacht auf einen bösartige Tumor lässt sich auf verschiedene Weise behandeln, etwa mit Chemotherapie und Operation.

Im sogenannten Tumorboard, einer klinikübergreifenenden Konferenz von Fachärzten (koordiniert vom Universitätsklinikum Marburg), werden Tumorfälle interdsziplinär besprochen, um jeweils die bestmöglichste Behandlungsoption für den einzelnen Patienten zu ermitteln.

 

Long-Covid (Spätfolgen einer SARS-CoV2 Infektion)

Long COVID oder Post-COVID-Syndrom genannt, ist eine mögliche Langzeitfolge der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19). Die häufigsten Symptome sind Husten, Atemnot, Engegefühl in der Brust und Fatigue (chronisches Müdigkeitssyndrom). Eine ausführliche kardiologische und pneumologische Untersuchung bei lang persistierenden Symptomen ist erforderlich. Nach unserer Erfahrung, bilden sich die Symptome häufig spätestens innerhalb von sechs Monaten zurück.