Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps Universität Marburg

Aktionstage „Keine Keime“ – Kreiskrankenhaus lädt zu Ausstellung ein

Vom 20. Februar bis 3. März geben Hygiene-Experten Tipps, wie Patienten und Angehörige dabei helfen können, die Zahl der Infektionen durch multiresistente Erreger zu reduzieren.

Über Krankenhauskeime sind viele Gerüchte im Umlauf. Manche von ihnen schüren Ängste, obwohl sie gar nicht stimmen. Wer Bescheid weiß, kann selbst dazu beitragen, dass Keime keinen Schaden anrichten. Das Kreiskrankenhaus Frankenberg lädt deshalb vom 20. Februar bis zum 3. März zu einer Ausstellung „Keine Keime – Keine Chance für multiresistente Erreger“ ein. Initiator ist das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und die Hessische Krankenhausgesellschaft. Die Informationen richten sich an Patienten, Angehörige und interessierte Gäste. Mitarbeiterinnen der Hygiene-Abteilung des Kreiskrankenhauses erklären werktags von 10 bis 11 Uhr, was resistente Keime sind, wann sie eine Gefahr darstellen und wie Patienten und Angehörige mithelfen können, die Zahl der Infektionen zu reduzieren.

Was sind Keime?

Keime sind etwas ganz Natürliches, es gibt sie in jedem menschlichen Körper. Sie leben auf der Haut, in Schleimhäuten und im Darm.  Die „Darmflora“ bewohnen Billionen Kleinstlebewesen, die dabei helfen, Essen zu verdauen, Vitamine zu nutzen und Giftstoffe harmlos zu machen. Eine gute „Keimflora“ stärkt das Immunsystem und verhindert Krankheiten.  Gleichzeitig können Keime aber auch Schaden anrichten, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind, etwa wenn sie in eine Wunde gelangen. Wir kennen diese Keime als „Krankheitserreger“.

Welche Krankheiten können Keime verursachen?

Keime sind nicht per se gesundheitsschädlich. Sie werden zu Krankheitserregern, wenn sie sich ungewollt in die Körper von immungeschwächten Menschen einschmuggeln, etwa über offene Wunden. Dann können sie verschiedene Infektionen auslösen, beispielsweise Haut- und Wundentzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen. Bei geschwächten Patienten kann das zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Wieso wirken Antibiotika gegen manche Keime nicht?

Keime passen sich an ihre Umwelt an wie Tiere oder Menschen. Sie können also auch Abwehrstrategien gegen Medikamente wie Antibiotika entwickeln, das ist ein normaler Auswahlprozess der Evolution. Werden Keime gegen Antibiotika immun, sprechen wir von „resistenten Erregern“. Lösen solche Keime eine Infektion aus, ist die Behandlung erschwert.

Was sind die Gründe dieser Resistenzen?

Wir Menschen haben diese Entwicklung leider beschleunigt, weil wir Antibiotika nicht immer korrekt einsetzen. Eine nicht leitliniengerechte Indikation und Auswahl eines Antibiotikums sowie eine fehlerhafte Einnahme können zur Ausbildung von Resistenzen führen.  Auch die Massentierhaltung hat dazu beigetragen, dass Antibiotika heute nicht mehr gegen alle Keime wirken. Das systematische Verfüttern von Medikamenten an Mastschweine, Puten und Hühner hat dazu geführt, dass sich auch bei diesen Tieren resistente Keime bilden. Früher oder später gelangen diese Keime zu uns Menschen: als Fleisch, über das Grundwasser oder über gedüngtes Gemüse.

Muss man vor Keimen Angst haben?

Nach Angaben des Robert Koch-Institutes erleiden nur ca. 2,2 Prozent der etwas mehr als 18 Millionen Krankenhauspatienten eine Infektion. Hierbei kann es sich um leichte Infektionen handeln, die nur einer kurzen Therapie bedürfen. Leider treten aber auch lebensbedrohliche Erkrankungen auf, insbesondere bei immungeschwächten Patienten. Doch auch für diese Fälle gibt es Therapiemöglichkeiten. Durch intensive Hygienemaßnahmen und einen sparsamen Einsatz von Antibiotika müssen diese Optionen jedoch dauerhaft geschützt werden.

Was sind multiresistente Erreger?

Als resistente Erreger bezeichnet man solche Krankheitskeime, die eine Widerstandsfähigkeit gegen die zur Behandlung der Infektion eingesetzten Medikamente entwickelt haben. Multiresistent bedeutet, dass mindestens zwei Antibiotikagruppen nicht mehr gegen die Erreger wirken.

Was bedeutet MRSA?

MRSA ist die Abkürzung für Methicillin resistenter Staphylococcus aureus. Diese Bakterien sind eine Variante des Bakteriums Staphylococcus aureus und unter anderem gegen die Behandlung mit dem Penicillin-Typ Methicillin immun. Je nach Herkunft wird zwischen LA-MRSA (Quelle: Landwirtschaft), HA-MRSA (Quelle: Gesundheitssystem) und CA-MRSA (Quelle: Bevölkerung) unterschieden.

Wie kann ich mich und andere schützen?

Menschen verbreiten Keime, ohne es zu bemerken. Meistens wandern die mikroskopisch kleinen Lebewesen von Haut zu Haut, weil viele Bakterienstämme auf der Hautoberfläche leben. Wenn wir Hände schütteln oder halten, können wir unbeabsichtigt Keime auf andere übertragen. Wenn wir Türklinken anfassen, parken wir die Keime dort. Wer im Krankenhaus seine Hände desinfiziert, hindert Keime an der Weiterreise – so schützt er effektiv sich selbst und alle anderen. Im eigenen häuslichen Umfeld ist es vollkommen ausreichend, sich die Hände mehrmals am Tag etwa 30 Sekunden lang mit ausreichend Seife zu waschen. Wichtig: Nicht vergessen, auch die Handoberflächen, die Zwischenräume der Finger und die Fingerspitzen zu säubern. Die nassen Hände sollten mit einem saugkräftigen Papierhandtuch trockengerieben werden. 

Was tut das Kreiskrankenhaus zum Schutz?

Medizinisches Personal mit Patientenkontakt desinfiziert sich systematisch die Hände. Damit verhindert es das ungewollte Übertragen von Keimen über die Haut. Auch nach dem Kontakt mit der Patientenumgebung, etwa dem Bett, werden die Hände desinfiziert. Auf der Intensivstation kann dies täglich über 60 Händedesinfektionen pro Patient bedeuten. Im Operationssaal gelten besonders strenge Hygienevorschriften.

Warum reichen Ärzte und Pflegekräfte den Patienten bei der Visite häufig nicht die Hand?

Um nicht aus Versehen beim Händeschütteln Keime zu verbreiten, wird auf diese Form der Begrüßung in der Regel verzichtet. Denn im Durchschnitt dauert eine korrekte Handdesinfektion 30 Sekunden und außerdem muss sie vor vielen Behandlungsschritten wiederholt werden.

Werden Patienten bei der Aufnahme auf bestimmte Erreger getestet?

Risikopatienten werden auf mögliche Keime untersucht, wenn sie ins Krankenhaus kommen.  Dazu gehören zum Beispiel Patienten aus Altenheimen  oder Patienten mit  chronischen Wunden. Im Kreiskrankenhaus überprüft das Labor Abstriche aus dem Nasen- und Rachenraum. Wenn MRSA im Blut oder in der Hirnflüssigkeit nachgewiesen werden, schreiben die Hygienegesetze  eine Meldung an die Gesundheitsämter vor. Tragen sie riskante Erreger, werden die Patienten in Isolierzimmern untergebracht, die mit erklärenden Schildern für Besucher wie Personal gekennzeichnet sind.

Gibt es im Kreiskrankenhaus Spezialisten für die Hygiene?

Ja. Auf allen Stationen arbeiten hygienebeauftragte Pflegekräfte. Koordiniert wird ihre  Arbeit von Silvia Vesper, Diplom-Pflegewirtin und Fachkraft für Krankenhaushygiene. Hygienefachkräfte machen Kontrollgänge und notieren Mängel. Sie informieren Stationen über relevante Laborbefunde, halten den zentralen Hygieneplan aktuell und tauschen sich landesweit mit anderen Einrichtungen und Experten aus. Gemäß der Vorgaben der Hessischen Hygieneverordnung geschult und benannt sind im Kreiskrankenhaus außerdem hygienebeauftragte Ärzte. Mit Dr. Katharina Schuppan wird eine eigene Krankenhaushygienikerin in Weiterbildung beschäftigt.

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