Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps Universität Marburg

Hallux valgus: Wenn der große Onkel schmerzt

Statistisch gesehen umrundet jeder Mensch in seinem Leben ungefähr viermal die Erde, das sind etwa 130.000 Kilometer. Trotzdem vernachlässigen wir keinen anderen Bereich des Körpers so sehr wie unsere Füße. Nur zirka 20 Prozent der Deutschen haben wirklich gesunde Füße. Kein Wunder also, dass Füße irgendwann auf sich aufmerksam machen: sie schmerzen, schwellen an, bilden Blasen, Schwielen, Hautrisse. Und selbst solche Hilferufe werden oft ignoriert. Bei den Männern heißt es dann: „Hauptsache ich komme noch von A nach B“. Die Frauen sagen: „Wer schön sein will muss leiden“.

Die meisten Frauen pflegen ihre Füße regelmäßig, aber auf die Lieblingsschuhe möchte trotz Schmerzen niemand verzichten. Es wäre allerdings falsch, allein in unseren Gewohnheiten und schlechtem Schuhwerk die Ursache für Fußprobleme zu sehen. Viele Menschen achten sehr auf Schuhqualität und Bequemlichkeit, bekommen aber trotzdem Beschwerden und Knochenfehlstellungen. Die Zunahme der Fußprobleme in unserer Gesellschaft ist zivilisationsbedingt. Die Füße werden seit früher Kindheit in festen Schuhen eingesperrt, durch mangelnde Bewegungsmöglichkeiten und dem Laufen auf unnatürlichen Wegen, verkümmern die Fußmuskeln. Darüber hinaus spielt  das Geschlecht und genetische Veranlagung eine große Rolle. Frauen sind häufiger betroffen, weil sie ein schwächeres Bindegewebe und flexiblere Sehnen haben. Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren führt zudem zum Nachlassen der Spannung in den Bändern. Zu enge, spitze oder hohe Schuhe verstärken die Beschwerden deutlich und führen schneller zu Deformationen in den Fußknochen.

Ein Fuß besteht aus vielen kleinen Gelenken, Knochen und Muskeln sowie über 100 Bändern. Es kann also viel kaputt gehen. Der Rückfußbereich oder der hintere Teil des Fußes kann den täglichen Überlastungen lange trotzen, er setzt sich aus massivem Fersenbein und Sprungbein zusammen. Sie sind straff miteinander verbunden. Im Vorfußbereich sind die Gelenke viel beweglicher, die Bänder haben deutlich weniger Spannung. Die Vorfußknochen sind miteinander durch feine Muskel verbunden, sie bilden das federnde und stoßdämpfende Quergewölbe, sodass hier eine Überlastung und falsche Schuhe viel schneller zu Beschwerden und sichtbaren Fehlstellungen führen.

Wenn diese Muskel und Bänder chronisch geschwächt werden, kommt es früher oder später zur Kettenreaktion. Der vordere Fußbereich verbreitert sich langsam, das Fußquergewölbe senkt ab, Senkfuß und Spreizfuß sind dann die Folge. Und es geht weiter. Ein unbeachteter Spreizfuß fördert die Entstehung eines Hallux valgus - das wird übersetzt als „krummer großer Zeh“. Der Großzeh weicht dabei nach außen ab. Und durch Hallux valgus werden weitere Fehlstellungen begünstigt, wie Hammer- und Krallenzehen. Es kommt zu Schwielen, Schleimbeutelentzündungen und schmerzhaften Hühneraugen

Für den Behandlungserfolg ist die frühzeitige Erkennung der Ursachen entscheidend. Im Frühstadium lässt sich den Fußbeschwerden und Veränderungen an Knochen oder Weichteilen gut gegensteuern. Eine Operation ist häufig nicht notwendig. Es wäre aber auch falsch, eine OP als „letztes Mittel“ zu sehen und somit die Fußprobleme zu züchten. Manchmal reicht schon eine einfache Entfernung des schmerzhaften Überbeins, um die Lebensqualität schnell und nachhaltig zu verbessern.

Im Kreiskrankenhaus Frankenberg wird chefärztliche und oberärztliche Sprechstunde für Patienten mit Fußbeschwerden angeboten. Chefarzt Dr. med. Oliver Schuppan sowie Oberarzt Dr. med. Daniel Adzhib sind für die Fußchirurgie durch Fachgesellschaften zertifiziert.

Ihr Ansprechpartner

Dr. Daniel Adzhib Oberarzt Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie; Zertifizierung: Fußchirurgie Klinik für Orthopädie & Unfallchirurgie

06451 - 23 08 80

Sprechstunde im Medizinischen Versorgungszentrum jeden Freitag von 8 bis 13 Uhr

Zurück