Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps Universität Marburg

Landkreis und Vitos GmbH verständigen sich auf Aufhebung des Geschäftsbesorgungsvertrages

Die Vitos GmbH und der Landkreis Waldeck-Frankenberg erwägen, den Geschäftsbesorgungsvertrag für die Kreiskrankenhaus Frankenberg gGmbH einvernehmlich aufzuheben. Das hat der Aufsichtsratsvorsitzende des Kreiskrankenhauses Dr. Reinhard Kubat am 7. November im Rahmen der Betriebsversammlung der Klinik verkündet. Die zuständigen Gremien werden darüber auf beiden Seiten voraussichtlich kurzfristig befinden. Alle Beteiligten sind an einer auch künftig guten Zusammenarbeit interessiert.

„Der Landkreis und Vitos haben in den vergangenen Monaten sehr fleißig an der geplanten Verschmelzung der Kreiskrankenhaus Frankenberg gGmbH und der Vitos Haina gGmbH gearbeitet“, sagt Landrat Dr. Reinhard Kubat. Kurz vor der Beschlussfassung der Eigentümer beider Gesellschaften sind jedoch erhebliche Hindernisse aufgetreten. Letztendlich sind beide Partner gemeinsam zu der Erkenntnis gelangt, dass die Zusammenarbeit in der geplanten Form aktuell nicht möglich ist. Der Geschäftsführer der Vitos GmbH Reinhard Belling und Landrat Dr. Reinhard Kubat haben sich daher am Dienstagmorgen darauf verständigt, die zuständigen Gremien über die Aufhebung des Geschäftsbesorgungsvertrags befinden zu lassen.

„Es ist uns beiden wichtig, dass wir ein gutes Einvernehmen herstellen und prüfen, in welcher Form auch künftig Kooperationsmöglichkeiten bestehen“, betont Reinhard Belling weiter. Das Verhältnis zwischen den Beteiligten bezeichnen Kubat und Belling beide weiterhin als vertrauensvoll. Sofern von beiden Seiten gewünscht, stünde einer weiteren – wie auch immer gearteten Zusammenarbeit – aus ihrer Sicht nichts im Wege. „Selbstverständlich werden nicht nur die aktuellen Baumaßnahmen fortgeführt. Auch die anderen eingeleiteten Maßnahmen werden wir in den nächsten Monaten verantwortungsvoll fortsetzen“, sagt Reinhard Belling. Nun gelte es, die gemeinsamen nächsten Schritte zu definieren. „Vitos hat im Landkreis Waldeck-Frankenberg einen besonderen Stellenwert“, ergänzt Dr. Reinhard Kubat. Wir legen daher großen Wert darauf, die bisherige gute Zusammenarbeit vertrauensvoll und im konstruktiven Dialog zu beenden.

Die Ursache für die mittlerweile seit mehr als einem Jahrzehnt bestehenden finanziellen Probleme des Kreiskrankenhauses sieht der Landrat in den schwierigen Rahmenbedingungen des deutschen Gesundheitssystems. Mehr als die Hälfte der Kliniken in Deutschland hätten erhebliche finanzielle Sorgen. Für ein somatisches Haus wie das Kreiskrankenhaus als Haus der Grund- und Regelversorgung mit Innerer Medizin, Chirurgie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe sei ein auskömmliches Wirtschaften unter solchen Voraussetzungen nicht leicht. Dennoch sei es wichtig, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Der Aufsichtsratsvorsitzende formulierte eine klare Botschaft an die Mitarbeiter:

„Der Landkreis hat einen Versorgungsauftrag für die Menschen in Waldeck-Frankenberg. Und diesem Auftrag kommen die Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses mit unermüdlichem persönlichem Einsatz in hervorragender Weise nach. Das Krankenhaus bleibt in Trägerschaft des Landkreises. Wir lassen das Haus und die Mitarbeiter nicht im Stich.“

Zu der Thematik äußert sich der Betriebsratsvorsitzende des Kreiskrankenhauses Frankenberg Uwe Patzer: „Das ist hart und kommt einerseits überraschend. Andererseits verwundert mich dieses Ergebnis nach den öffentlichen Debatten und der Berichterstattung auch nicht.“ Er sei nach wie vor davon überzeugt, dass eine Verzahnung von Psychiatrie und Somatik grundsätzlich und auch für Frankenberg sinnvoll sei. Sicherlich werde es schwieriger, die Zukunft des Kreiskrankenhauses ohne den Partner Vitos zu gestalten. „Es ist aber wichtig, dass die Mitarbeiter jetzt selbstbewusst und optimistisch in die Zukunft blicken und vor allem zusammenstehen.“ Er sei davon überzeugt, dass Vitos das Kreiskrankenhaus nicht im Stich lasse und trotz der Auflösung des Geschäftsbesorgungsvertrages weiterhin eine strategische Partnerschaft möglich sei.

Kreiskrankenhaus-Geschäftsführer Ralf Schulz ergänzt: „Ich bin davon überzeugt, dass Vitos in enger Abstimmung mit dem Landkreis nach einer Aufhebung des Geschäftsbesorgungsvertrages den bestmöglichen Übergang gestalten wird.“

Der Ärztliche Direktor der Kreisklinik Frankenberg Dr. Hannes Gabriel betont: „Trotz dieser Entscheidung ändert sich für unsere Patienten nichts. Wir haben einen Versorgungsauftrag und diesem kommen wir unverändert nach. Die geplanten Termine haben selbstverständlich Bestand. Die Rund-um-die-Uhr-Versorgung auf hohem Niveau ist jederzeit gewährleistet. Wir hoffen auf eine gute Lösung für das Kreiskrankenhaus und damit auch für den Landkreis und die Menschen in Waldeck-Frankenberg.“

Hintergrund

Vitos GmbH

Die Vitos GmbH ist die strategische Managementholding von zwölf gemeinnützigen Unternehmen. Alleingesellschafter ist der Landeswohlfahrtsverband Hessen. Diagnostik und Behandlung von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen in psychiatrischen, psychosomatischen und forensisch-psychiatrischen Kliniken ist die Kernaufgabe. 9.750 Mitarbeiter erwirtschaften an 100 Standorten in 60 Orten einen jährlichen Gesamtertrag von 648 Mio. Euro, behandeln 43.000 Patienten stationär/teilstationär und 173.000 ambulant. Mit 3.500 Betten/Plätzen ist der Konzern Hessens größter Anbieter für die ambulante, teil- und vollstationäre Behandlung psychisch kranker Menschen. In den Einrichtungen für Menschen mit geistiger bzw. seelischer Behinderung und der Jugendhilfe stehen insgesamt 2.400 Plätze bereit. Die Fachkliniken für Neurologie und Orthopädie haben gemeinsam 300 Betten.

Kreiskrankenhaus Frankenberg gGmbH

Das Kreiskrankenhaus Frankenberg ist ein modernes Akutkrankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit 223 Planbetten und sieben chefarztgeführten Fachkliniken. Es befindet sich in Trägerschaft des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Jährlich werden rund 30.000 Patienten ambulant und stationär behandelt.

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