Zurück ins Leben
Beratung und Orientierung nach einer Tumordiagnose
Eine Krebsdiagnose wirft viele Fragen auf – nicht nur während der Behandlung, sondern vor allem im Anschluss daran. Um Betroffenen und Angehörigen Orientierung zu bieten, widmet sich der nächste Termin des Infocafés Mutmacher dem Thema „Beratung nach Tumorerkrankung“.
Mitarbeiter des Patientenmanagements des Klinikums Waldeck-Frankenberg (KWF) in Frankenberg und Psychoonkologin Frau Ursula Weber von der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Nordhessen informieren darüber, welche konkreten Hilfen und Beratungsangebote nach einer Krebserkrankung bereitstehen. Das Patientenmanagement konzentriert sich auf die Beratung stationärer Patienten, Frau Weber auf die onkologische Beratung und Nachsorge bei Patienten, die ambulant in Chemotherapie sind oder Bestrahlungen erhalten. Sie unterstützt bei der Antragstellung für onkologische Anschlussheilbehandlungen und Reha-Maßnahmen.
Die Veranstaltung findet am 22.09.2026 ab 15 Uhr in lockerer Runde im Café am Goßberg (Untergeschoss der Klinik) statt. Eingeladen sind Krebspatienten, deren Angehörige sowie alle Interessierten. Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe bittet um vorherige Anmeldung: E-Mail: sekgynambulanz@klinikum-kwf.de oder Telefon: 06451 55-355.
Bericht vom letzten Infocafé mit Chefarzt Dr. med. Mehmet Yigit
Die adjuvante endokrine Therapie
Das Infocafé Mutmacher wurde bei der letzten Veranstaltung seinem Namen erneut gerecht. Im Mittelpunkt stand die Botschaft, dass die leitlinienkonforme Brustkrebstherapie heute sehr gute Heilungs- und Langzeitüberlebenschancen bietet und die medizinische Forschung kontinuierlich neue Behandlungsmöglichkeiten entwickelt. Das große Interesse zeigte erneut, wie wichtig verständliche Informationen, persönliche Gespräche und eine individuelle Beratung für Betroffene und ihre Angehörigen sind.
Nach der Begrüßung durch Gabriele Schalk, Leitende Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Standort Frankenberg, informierte Chefarzt Dr. med. Mehmet Yigit über die Möglichkeiten der endokrinen Therapie bei Brustkrebs. Diese sogenannte Antihormon-Therapie kommt bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs zum Einsatz. Etwa 70 bis 80 Prozent aller Brustkrebserkrankungen gehören zu dieser Tumorform.
Dr. Yigit ist Senior-Mammaoperateur und besitzt die Schwerpunktbezeichnung „Gynäkologische Onkologie“. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Behandlung von Brustkrebs und arbeitet mit seinem Team eng mit dem Brustzentrum sowie dem Gynäkologischen Krebszentrum der Universitätsmedizin Marburg zusammen.
Östrogen ausschalten – ein Ziel, mehrere Wege
Die endokrine Therapie verfolgt das Ziel, den wachstumsfördernden Einfluss der Hormone Östrogen und Progesteron auf die Tumorzellen zu unterbinden. Ein Therapieansatz besteht darin, die Östrogenrezeptoren der Krebszellen mit Tamoxifen zu blockieren. Ein weiterer Weg ist die Unterdrückung der körpereigenen Östrogenproduktion in den Eierstöcken durch GnRH-Analoga bei prämenopausalen Patientinnen. Nach den Wechseljahren kommen überwiegend Aromatasehemmer zum Einsatz, welche die Bildung von Östrogen im Fettgewebe, der Muskulatur und der Nebennierenrinde hemmen.
Therapie als Lebensversicherung
„Diese Behandlung ist Ihre Lebensversicherung“, betonte Dr. Yigit und appellierte an alle Patientinnen, die Therapie keinesfalls eigenmächtig abzusetzen. Die endokrine Therapie wird in der Regel für mindestens fünf Jahre, bei entsprechender Indikation auch länger, empfohlen. Mögliche Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Gelenk- oder Muskelschmerzen sowie eine verminderte Knochendichte können heute häufig durch individuelle Therapieanpassungen, einen Präparatewechsel oder unterstützende Maßnahmen deutlich gelindert werden.
Individuelle Therapieempfehlung im Tumorboard
Jede Brustkrebserkrankung wird im interdisziplinären Tumorboard besprochen. Radiologen, Pathologen, Onkologen, Gynäkologen und weitere Fachrichtungen entwickeln in dieser Fallkonferenz gemeinsam eine leitliniengerechte und individuell abgestimmte Therapieempfehlung. Die Klinik ist Mitglied des Brustzentrums Regio und arbeitet eng mit den spezialisierten Zentren der Universitätsmedizin Marburg zusammen. Zusätzlich werden bei Bedarf Zweitmeinungen aus dem onkologischen Netzwerk eingeholt.
Forschung entwickelt sich rasant
„Jedes Jahr kommen neue Therapieoptionen hinzu. Unser Anspruch ist es, unseren Patientinnen jederzeit eine Behandlung nach dem aktuellsten Stand der Wissenschaft anzubieten“, erklärte Dr. Yigit. Im Anschluss beantworteten Dr. Yigit und Gabriele Schalk zahlreiche Fragen der Besucherinnen und Besucher.